Forschungsprojekte der Stabsstelle Telemedizin

Auf den folgenden Seiten finden Sie Informationen über laufende und abgeschlossene Forschungsprojekte der Stabsstelle Telemedizin.

oVID-Das offene Videosystem in der Medizin

oVID, ein offenes und sicheres System zur Video-Kommunikation im Gesundheitswesen, dient der Verbesserung der Patientenversorgung außerhalb spezialisierter Zentren, vor allem auch im ländlichen Raum. Dabei ermöglicht oVID nicht nur Videokonferenzen, sondern auch erweiterte Kommunikation (z.B. Chatfunktion, Audiotelefonate, Bilddatenversand und Desktop-Sharing) von Ärzten untereinander sowie zwischen Ärzten und Patienten. So soll das Projekt die Vernetzung unterschiedlicher Personen und Berufsgruppen sowie die gleichzeitige Kommunikation mehrerer Einrichtungen mit Hilfe von Videokonferenzen ermöglichen. Zugleich soll es auch die Kommunikation zwischen Patient und Leistungserbringern vereinfachen.

Was sind die Ziele?

  • Verbesserung der interklinischen Kommunikation
  • Sukzessive Etablierung eines anwenderfreundlichen und erweiterbaren Videokommunikationsnetzwerks
  • Verminderung von Patientenverlegungen

Geburtshilfe

Hilfe bei pränatal-diagnostischen Fragestellungen durch Videokonferenzen und Bilddatenversand

Unfallchirurgie

Durchführung akuter und geplanter Videokonferenzen für unfallchirurgische Patienten aus dem TraumaNetzwerk NordWest

Palliativmedizin

Nachsorgende Behandlung der stationär entlassenen Palliativpatienten in enger Kooperation zum Palliativnetz Münster

Technische Umsetzung

Die Videokonferenz wird über das TÜV-zertifizierte Produkt „CGM ELVI – DIE VIDEOSPRECHSTUNDE“ (www.elvi.de) hergestellt und ist mit einem üblichen Videoanruf über das Internet zu vergleichen – nur, dass dies nun zwischen Arzt und Patient oder Ärzten verschiedener Fachrichtungen stattfindet. Die Verbindung ist Ende-zu-Ende verschlüsselt; die Software erfüllt die datenschutzrechtlichen und technischen Anforderungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und des GKV-Spitzenverbandes.

Für den Austausch von medizinischen Bildern bietet die MedEcon Ruhr GmbH mit dem Westdeutschen Teleradiologieverbund (www.medecon-telemedizin.de) ein deutschlandweites Netzwerk mit über 400 Teilnehmern.

oVID in Zahlen

oVID wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) unter dem Förderkennzeichen EFRE-0801384 gefördert und entspringt der ersten Einreichrunde

des zweiten Wettbewerbsaufrufs im LeitmarktGesundheit NRW.

Projektumfang:           ca. 2.6 Millionen Euro

Projektlaufzeit:            01.03.2019 - 28.02.2022

Projektleiter:               Priv.-Doz. Dr. med. Christian Juhra, Leiter der Stabsstelle Telemedizin (UKM)

Seit Februar 2017 führen die Stabsstelle Telemedizin und die Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie des UKM zusammen mit dem Universitätsklinikum Aachen (UKA) das durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) geförderte Projekt TELnet@NRW durch. Weitere Projektbeteiligte sind 17 Krankenhäuser und zwei Praxisnetze aus NRW, die Techniker Krankenkasse, die Krankenhausgesellschaft NRW, die Ärztekammer Westfalen-Lippe, die Ärztekammer Nordrhein, das Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH (ZTG) aus Bochum sowie die Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld. Ziel des dreijährigen Projektes TELnet@NRW ist es, ein sektorenübergreifendes telemedizinisches Netzwerk in Nordrhein-Westfalen als neue digitale Versorgungsform aufzubauen. Der Schwerpunkt des Projektes liegt auf der verbesserten Behandlung von Patienten aus der Intensivmedizin und der Infektiologie. Zur Implementierung des TELnet@NRW werden die Krankenhäuser und Praxisnetze mit den jeweiligen Fachärzten des UKA und des UKM verbunden. Für die jeweils vor Ort tätigen Ärzte bedeutet diese digitale Zusammenarbeit eine bedarfsgerechte Entscheidungshilfe, die zusätzliche hochspezialisierte ärztliche Expertise kosteneffizient am jeweils notwendigen Ort zur Verfügung stellt. Im Rahmen des Projektes sollen zudem Wege gefunden werden, diese innovative Versorgung zukünftig als Bestandteil der Regelversorgung finanzieren zu können. Als innovatives, digitales Netzwerk ermöglicht es TELnet@NRW somit, Patienten und Gesundheitsdienstleistern der Intensivmedizin und Infektiologie rund um die Uhr eine zeitnahe, flexible und Kosten-Nutzen-effiziente medizinische Fachexpertise zur Verfügung zu stellen. Da die grundlegenden Strukturen der telemedizinischen Versorgung auch auf andere medizinische Fachbereiche übertragbar sind, steht TELnet@NRW exemplarisch für den effektiven Einsatz vorhandener medizinischer und technischer Ressourcen. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter http://www.telnet.nrw/

Das Projekt „Medizinische Falldatenkommunikation in interoperablen Netzwerken“, kurz FALKO.NRW, beschäftigte sich während der dreijährigen Projektlaufzeit (01.03.2016 bis 28.02.2019) mit dem Aufbau eines landesweiten Netzwerkes zur telemedizinischen Falldatenkommunikation in Nordrhein-Westfalen. Ziel war die Entwicklung eines Standards zum Austausch elektronischer Falldaten zwischen den unterschiedlichen an der Behandlung beteiligten Leistungserbringern. Dazu wurden bereits bestehende Strukturen wie der Westdeutsche Teleradiologieverbund genutzt und mit EFA-Providerstrukturen auf IHE-Basis („Integrating the Healthcare Enterprise“) in Versorgungssituationen verknüpft. Die einrichtungs-, sektor- und standortübergreifende Zusammenarbeit sollte vereinfacht werden. Unter der Leitung der MedEcon Ruhr GmbH beteiligten sich insgesamt sechszehn Partner an FALKO.NRW. Darunter waren vier Universitätskliniken, mehrere Softwarehersteller sowie Fallaktenprovider, die Hochschule Niederrhein, die Westfälische Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen und das Essener Forschungsinstitut für Medizinmanagement GmbH. Die Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie unterstützte als die ausführende Stelle der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster das Projekt im Bereich der Schwerverletztenversorgung. Schwerpunkte waren der Austausch von Informationen zwischen der Uniklinik und einer peripheren Klinik im Rahmen eines Notfallkonsils sowie die spezielle Befundanforderung mit dem Ziel, die im Rahmen der Schwerverletztenversorgung stattfindende Kommunikation mit externen Einrichtungen zu vereinfachen und effektiver zu gestalten. Das Vorhaben wurde aus Mitteln des Landes NRW und der EU im Rahmen des OP EFRE NRW 2014-2020 (Leitmarktwettbewerb Gesundheit.NRW) gefördert. Nähere Informationen zum Projekt und den Ergebnissen finden Sie unter: https://falko.nrw/.

Im Zeitraum von März 2016 bis Ende Februar 2019 wurde das Projekt Telemedizinische Informationen bei MEdizinischen Notfällen (T.I.M.E.) erfolgreich durchgeführt. Die Leitung des Forschungsvorhabens wurde von der Stabsstelle Telemedizin des UKM übernommen in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, dem Lehrstuhl der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie / UKM-Trainingszentrum, dem Institut für Medizinische Informatik, dem Institut für Biometrie und Klinische Forschung und dem Zentrum für Klinische Studien Münster. Weitere Projektbeteiligte waren das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR), die DATATREE AG (DATATREE), die CompuGroup Medical Deutschland AG/ CompuGroup Medical Software GmbH (CGM), VISUS Technology Transfer GmbH (VISUS) und die Akademie der Unfallchirurgie GmbH (AUC). Das Vorhaben wurde aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Übergreifendes Ziel des Kooperationsprojekts war es, die Qualität, Sicherheit und Effizienz der Notfallversorgung mithilfe innovativer und nutzerorientierter Informations- und Kommunikationslösungen flächendeckend zu erhöhen. Im Projekt T.I.M.E. wurde dabei zwischen zwei Teilprojekten unterschieden. Das Teilprojekt „Notfalldaten“ untersuchte in zwei Simulationsstudien den Einfluss des Notfalldatensatzes auf die präklinische Versorgung. Dies geschah vor dem Hintergrund der geplanten Bereitstellung des Notfalldatensatzes auf der elektronischen Gesundheitskarte. Im Rahmen der Studien wurde in simulierten Notfallszenarien die gängige Behandlungspraxis mit der unterstützten Behandlung durch einen vor Ort verfügbaren Notfalldatensatzes verglichen.

Außerdem beschäftigten sich die Akteure des Projekts damit herauszufinden, wie die Verfügbarkeit von Notfalldatensätzen erhöht werden kann. Hierzu wurden Prototypen der digitalen Anwendung „die Notfallakte“ für das Smartphone und den Desktop PC entwickelt und in Workshops mit Notfallmedizinern evaluiert.

Im Teilprojekt „Tele-Schockraum“ wurde ein umsetzungsfähiges Konzept zur telematischen Unterstützung der Schockraumversorgung in regionalen und lokalen Traumazentren durch überregionale Traumazentren entwickelt und evaluiert. Durch Video- und Audiokommunikation sowie Datenübertragung von z.B. Bildgebung oder Befunden zwischen den Kliniken wurde eine digital unterstütze Betreuung von Schwerverletzten erprobt. Für simulierte Notfälle unterstützte das überregionale Traumazentrum dabei die Schockraumversorgung in zwei peripheren Krankenhäusern. Mithilfe dieses Kooperationskonzepts soll künftig eine noch effizientere Schwerverletztenversorgung in die Fläche gebracht werden.

 

Notfalldaten-Management Sprint (NFDM-Sprint)

Im Rahmen des Projekts NFDM-Sprint der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (gematik), an dem die Bundesärztekammer, das Universitätsklinikum Münster (UKM) und die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) beteiligt waren, haben Hausärzte und niedergelassene Internisten in der Region Münster sowie Ärzte des UKM im Zeitraum von Mai bis November 2016 insgesamt rund 4.000 Notfalldatensätze (NFD) für Patienten angelegt.

Ziel des Pilotprojekts NFDM-Sprint war es zu untersuchen, wie die Anlage von Notfalldaten bestmöglich durch Arztinformationssysteme unterstützt werden kann. Die Erfahrungen, die die 39 beteiligten Ärzte und 26 Medizinischen Fachangestellten in der Region Münster im Verlauf dieses Forschungsprojekts machten, werden zu einer anwendergerechten und zukunftssicheren Entwicklung des Notfalldaten-Managements beitragen.

Der Begriff Notfalldaten-Management (NFDM) steht für den Umgang mit Informationen, die auf Wunsch der Versicherten auf der elektronischen Gesundheitskarte abgelegt werden und den Behandelnden in einer medizinischen Notfallsituation weiterhelfen. Im NFDM wird unterschieden zwischen dem Notfalldatensatz mit notfallrelevanten medizinischen Informationen und dem Datensatz Persönliche Erklärungen (DPE) des Patienten. Beide werden künftig auf der eGK getrennt voneinander gespeichert und lassen sich im Notfall auch separat lesen. Der NFD kann zum Beispiel Angaben zu Diagnosen, Medikation oder Allergien enthalten, der DPE Hinweise zum Aufbewahrungsort etwa einer Patientenverfügung. Der Patient entscheidet, ob er einen NFD für sich anlegen lässt. Im Notfall können Ärzte oder Notfallsanitäter diese Informationen unter Nutzung ihres elektronischen Heilberufsausweises abrufen.

Weitere Informationen zum Projekt NFDM-Sprint finden Sie unter www.nfdm.gematik.de.

Medizinisches Akutkrankenhaus – Rettungsdienst Informations- und Kommunikationssystem für akute Notfälle im Alter (MA-RIKA)

Im Rahmen des erfolgreich abgeschlossenen telemedizinischen Projektes MA-RIKA wurden zum einen in der Region Münsterland (Modellregion) die für die akute prä-klinische und klinische Versorgung lebensbedrohlicher Notfälle älterer Menschen wichtigen Informationen zur Wahl der nächsten geeigneten Klinik zentral gebündelt und dem Fachpersonal (Leitstellen, Rettungskräfte, Notärzte und Klinikärzte) mittels Smartphone-Applikation (Prototyp) zur Verfügung gestellt. Ermöglicht wurde außerdem eine einfache, direkte Kontaktaufnahme zwischen Notärztin / Notarzt und zuständiger Fachärztin bzw. zuständigem Facharzt der Klinik mit dem zentralen Ziel, die Kommunikation des medizinischen Fachpersonals untereinander zu optimieren. Über eine Schnittstelle zwischen dem Informationssystem Gefahrenabwehr des Landes NRW (IG-NRW) und MA-RIKA besteht ferner die Möglichkeit zur einfachen Ein- und Anbindung in ein existierendes, zentrales IT-System, mit dem die Krankenhäuser ihre Versorgungskapazitäten online an- und abmelden.
Darüber hinaus sollte eine angepasste prototypische Smartphone-Applikation Bürgerinnen und Bürger in die Lage versetzen, über die ortsgebundene Suche Informationen zu der gewünschten, nächst gelegenen Fachabteilung oder zu (zertifizierten) Zentren wie etwa Traumazentren, Stroke Units und Chest Pain Units erhalten. Ein weiteres zentrales Ziel des Projekts MA-RIKA war überdies, den von der Bundesärztekammer (BÄK) für die elektronische Gesundheitskarte (eGK) entwickelten Notfalldatensatz (NFD) inhaltlich zu validieren. Hierbei standen die Untersuchung der Gebrauchstauglichkeit des NFD und der dazugehörigen Ausfüllanweisungen sowie Analysen zu Sensitivität, Selektivität und dem erwarteten Nutzen des Datensatzes im Mittelpunkt.  Das Projekt wurde unter der Projektleitung der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des UKM zusammen mit dem Institut für Medizinische Informatik (IMI/WWU), dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V., Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin (DLR e.V.) sowie den Unternehmen opwoco GmbH und metacrew consulting GmbH in der Zeit vom 01.02.2013 bis 31.07.2015 durchgeführt. Gefördert wurde das Projekt  vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen mit Mitteln der Europäischen Union. 

 
 
 
 
 
 
 

Kontakt

Priv.-Doz. Dr. med. Christian Juhra, MBA
Stabsstelle Telemedizin

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